Räumliche Struktur

Das frühe Lager Dachau war 1933 noch in den Räumlichkeiten der ehemaligen Fabrik. Etwa ab 1937 entstand das neu errichtete Lager, das sich in folgende Bereiche gliederte: Häftlings-Gelände SS-Gelände (westlich vom Häftlings-Gelände) Kräuterplantage (östlich vom Häftlings-Gelände) Schießplatz Hebertshausen Friedhof Leitenberg Gräberanlage Waldfriedhof Mit Kriegsbeginn entstanden verstärkt Außenlager, die sich meist in Nähe von Rüstungsbetrieben oder wichtigen Arbeitsstätten im südlichen Reich befanden.

Häftlings-Gelände

Der erste große Teilbereich des Konzentrationslager war das Gefangenenlager, euphemistisch auch „Schutzhaftlager“ genannt. Ein elektrisch geladener Stacheldrahtzaun umgab es, dahinter befand sich ein Graben. Sobald sich jemand dem Zaun näherte, schoss das SS-Personal ohne Vorwarnung von Wachtürmen. Nachts war die Umzäunung beleuchtet. Insgesamt gab es 34 Baracken in zwei Reihen, mittig war die Lagerstraße. Den Eingang zum Häftlingsbereich bildete das Jourhaus. Die Wohnbaracken erhielten unter Kommandant Loritz den Namen „Blöcke“. Jeder Wohnblock besaß zwei Waschanlagen, zwei Toiletten und vier "Stuben". Jede Stube hatte einen Wohn- und einen Schlafraum. Pro Stube sollten 52 Personen untergebracht werden, das bedeutete 208 Häftlinge pro Wohnblock. In den letzten Kriegsjahren mussten sich bis zu 1.600 Gefangene einen Wohnblock teilen.
Auf dem Appellplatz fand zu Tagesbeginn und -ende der Zählappell statt. Fehlte jemand, wurde Strafappellstehen durch die Nacht bzw. einen halben Tag lang angeordnet. Acht Wachtürme umgaben das Gelände, sie waren üblicherweise mit je zwei SS-Wachen mit zwei Maschinengewehren besetzt. Das so genannte Krankenrevier bestand anfangs aus zwei Baracken, ab 1939 wurde es erweitert. In den letzten Kriegsjahren war es 18 Baracken groß. Zum "Lazarett" gehörte eine Desinfektionsbaracke sowie eine Totenkammer. Es gab eine Arbeitsbaracke, eine weitere Baracke bildete die Kantine, die auch Propagandazwecken diente. Im Wirtschaftsgebäude befand sich die Küche und auch das berüchtigte „Bad“. Dahinter lag der Bunker, hier wurden Lagerarrest, Lagerstrafen (zum Beispiel verschärfte Einzelhaft) und Erschießungen vollzogen. Ab Herbst 1944 kamen Stehbunker hinzu. Zwei NS-Denkmäler hatten Häftlinge 1933 im Lager errichten müssen: Vor dem Schlageter-Denkmal mussten vorbeigehende Häftlinge fortan die Mütze ziehen, ebenso vor dem Wessel-Denkmal. Im Laufe der zwölf Jahre bildeten sich verschiedene Einteilungen der Wohnblöcke: Die Strafblöcke waren mit Stacheldraht umgeben: hier befanden sich Insassen, die wiederholt in Haft gewesen waren oder über die verschärfte Haft verhängt wurde. Weitere Blöcke waren: Interbrigadistenblock, Judenblock, Invalidenblock, Prominentenblock, und Pfarrerblock. Ab Kriegsbeginn kam es zu einer Einteilung nach Nationalitäten (Polnischer Block, Tschechischer Block, …).

SS-Gelände

Den zweiten großen Teilbereich des Lagers stellte das Gelände der SS dar; es war gut doppelt so groß wie der Häftlingsbereich. Ein Teil davon zählte offiziell nicht zum KZ, da sich hier ein SS-Übungslager mit Kasernen und Schulungsräumen befand. Jedoch waren auch auf dem SS-Übungslager Werkstätten, in denen Häftlinge zu arbeiten hatten. Weiter befanden sich in dem Bereich Mannschaftsbaracken und Offizierswohnungen, eine Bäckerei sowie das Verwaltungsgebäude. Später kamen zwei Krematoriumsgebäude dazu.

Erstes Krematorium

Verbrennungsöfen des ersten Krematoriums Zwangsarbeiter mit Zangen und Leiche vor einem Verbrennungsofen (wahrscheinlich inszeniertes Foto nach der Befreiung des KZ) Etwa sieben Jahre lang wurden Verstorbene in einem Krematorium in München eingeäschert. Dann wurde 1940 ein eigenes Krematorium mit zwei Öfen erbaut. Es war ein sehr kleines Gebäude mit nur einem einzigen Raum, etwas abseits stehend zwischen Bäumen auf dem SS-Gelände erbaut. Ein spezielles Häftlingskommando, das keinen Kontakt mit Insassen des Gefangenenlagers haben durfte, musste die Einäscherungen vornehmen. Nur Häftlinge des „Arbeitskommandos Krematorium“ durften dieses Gelände betreten. Vor dem Jourhaus zweigte der Weg innerhalb des SS-Lagers zum Krematoriumsbereich ab und war somit vom Häftlingslager strikt getrennt. In der Nähe des Krematoriums vollstreckte die SS Todesurteile durch Erhängen und Erschießen.

Baracke X (Zweites Krematorium mit Gaskammerraum)

Die Baracke X, auch Block X genannt Verbrennungsöfen des zweiten Krematoriums in der Baracke X Transportliste (Mordliste) eines sogenannten „Invalidentransports“ Von Mai 1942 bis April 1943 ließ die Lagerverwaltung gegenüber dem ersten Krematorium ein größeres Gebäude bauen, die sogenannte Baracke X. Neben zwei Eingangsräumen gab es mehrere Leichenräume. Der neue Krematoriumsraum war mit vier Öfen ausgestattet, die von April 1943 bis Februar 1945 zur Einäscherung verwendet wurden. Danach begannen die Massenbestattungen auf dem Friedhof Leitenberg. Ferner enthielt das Gebäude vier Desinfektionskammern für Häftlingskleidung, die seit dem Sommer 1944 in Betrieb waren. Bei einem weiteren Raum war über dem Eingang die Aufschrift „Brausebad“ angebracht. Der Raum war weiß gekachelt, besaß ein Guckloch und 15 simple Duschkopf-Attrappen. An der Außenwand befanden sich zwei blecherne Klappen, die auch das Einschütten von Zyklon B ermöglicht hätten. US-amerikanische Truppen identifizierten diesen Raum am 29. April 1945 als eine Gaskammer. Es kam im Lager, selbst zu Kriegsende, zu keiner Massentötung durch Gas. Dies wird auch von ehemaligen Häftlingen berichtet: „Als sich nach der Fertigstellung [der Gaskammer] die Befürchtungen, es würde zu Massentötungen kommen, nicht bewahrheiteten, Ob einzelne Personen oder eine kleine Gruppe durch Zyklon B bzw. anderes Gas zu Tode kamen, ist nicht beweisbar. Viele Dokumente waren vor Kriegsende vernichtet worden. Ein Indiz für Experimente mit Kampfgas liefert der erhalten gebliebene Brief des SS-Arztes Rascher an Himmler vom 9. August 1942: „Wie Sie wissen, wird im KL Dachau dieselbe Einrichtung wie in Linz gebaut. Nachdem die Invalidentransporte sowieso in bestimmten Kammern [Anm.: gemeint sind Gaskammern] enden, frage ich, ob nicht in diesen Kammern an den sowieso dazu bestimmten Personen die Wirkung unserer verschiedenen Kampfgase erprobt werden kann.“ Ein weiteres Indiz ist die Aussage des Häftlings Frantisek Blaha: „Die Gaskammer wurde im Jahre 1944 vollendet; ich wurde zu Rascher gerufen, um die ersten Opfer zu untersuchen. Von den acht bis neun Personen, die in der Kammer waren, waren drei noch am Leben und die anderen schienen tot zu sein.“ Die Historikerin Barbara Distel urteilt: „Ob die von Rascher vorgeschlagene Kampfgaserprobung realisiert wurde, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, nach den Aussagen ehemaliger Häftlinge ist eine derartige Verwendung aber nicht auszuschließen.“ Massentötungen durch Gas fanden in Dachau nachweislich nicht statt. Für Ermordung durch Gas zog es die SS vor, Dachau-Häftlinge in die Gaskammer von Hartheim oder auch nach Auschwitz zu deportieren. Diese Mordtransporte wurden in der NS-Tarnsprache Invalidentransporte genannt.

Außenlager

Erdhütten im Außenlager Kaufering Sehr lange Zeit standen Außenlager nur am Rande des Interesses historischer Forschungen. Die heutigen Forschungen sind durch die geringe Zahl noch lebender Augenzeugen erschwert. Die Gefangenen dieser Lager mussten nicht nur das Lager selbst bewirtschaften, sondern auch zahlreiche andere Arbeiten verrichten: sie arbeiteten in SS-eigenen Handwerksbetrieben, im Straßenbau, in Kiesgruben und bei der Kultivierung von Mooren, ab 1939 für die Rüstungsindustrie. Ab 1942 entstanden zahlreiche Außenlager, in denen etwa 37.000 Häftlinge arbeiteten. Ab März 1944 sollten vor allem Kriegsgefangene aus Osteuropa riesige unterirdische Komplexe errichten, um die deutsche Rüstungsproduktion unterirdisch weiterzuführen. Arbeitseinsätze außerhalb des Lagers konnten sich auf einzelne Personen beschränken, aber auch tausende Häftlinge umfassen. Externe Einsätze wurden als Außenkommandos bezeichnet, wenn Häftlinge an der Arbeitsstelle auch eine Unterkunft hatten. Als Außenlager oder Nebenlager wurden Lager bezeichnet, die aufgrund ihrer Größe SS-Lagerführer und Häftlingsfunktionäre hatten. In kleineren Außenkommandos hatten Häftlinge nicht nur durch ausreichende Kost bessere Überlebenschancen als im Hauptlager. Als Folge des stetigen näheren Kontakts verringerten sich brutale Übergriffe des SS-Personals. Die hygienische Ausstattung im Außenlager war oftmals unzureichend und die Arbeitsbedingungen in großen Nebenlagern waren schwieriger als die im Hauptlager Dachau. Die Häftlinge arbeiteten beispielsweise bei Zeppelin-Werke, Messerschmitt (Düsenjäger), BMW-Werk II für Flugzeugmotoren (Außenlager Allach), Dornier-Werke, Agfa-Kamerawerk, Firma Sachse (Flugzeugpropeller), Firma Präzifix (Schrauben), Dynamit AG, Firma Magnesit, Firma Kimmel (Funkmessgeräte), Bauarbeiten Flughafen München-Riem, Reichsbahn-Aufräumkommando oder bei der Bombenentschärfung. Allein in elf Außenlagern bei Landsberg am Lech arbeiteten 30.000 Häftlinge. Ende April 1945 wurden diese Lager, unter ihnen Schwabmünchen/Kaufering IV, vor den heranrückenden Truppen evakuiert und die Gefangenen mit Zügen oder auf Todesmärschen an andere Stellen geschafft. Die Außenlager wiesen kein einheitliches Erscheinungsbild auf. Mit 169 Außenkommandos war Dachau das am weitesten verzweigte Lager des nationalsozialistischen Regimes.

 

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