Die Bildungsinitiative"Das andere Leben" in NRW 2011/2012

In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen.

Grußwort von Maria Springenberg-Eich

Leiterin der LpB-NRW

Die Förderung der Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus stellt eine wichtige, ja zentrale Aufgabe der politischen Bildung in Nordrhein-Westfalen dar. Dabei steht die gesamte erinnerungskulturelle Bildungsarbeit vor großen Umbrüchen und neuen Herausforderungen.

 

Hierzu zählen neben der durch das allmähliche Aussterben der Erlebnisgeneration bedingten Historisierung von Nationalsozialismus und Holocaust sowie der immer komplexer werdenden Struktur der infrage kommenden Zielgruppen auch die Potentiale neuer Erzählformate und Kommunikationsmittel.

 

In diesem Zusammenhang rückt zunehmend die Notwendigkeit in den Vordergrund, gerade die junge Generation mittels neuer didaktischer Methoden historisch-politisch aufzuklären, zu sensibilisieren und zum Engagement für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu ermuntern.

Besonders wichtig ist hierbei die Bereitschaft der letzten noch lebenden Zeitzeugen, aus ihrem Leben zu berichten oder andere durch das Nacherzählen ihrer authentischen Biographien und Zeugnisse in anschaulicher Form berichten zu lassen. Geschichte, insbesondere die der Exzesse und Verwerfungen des sogenannten „kurzen 20. Jahrhunderts“ zwischen 1914 und 1990, muss konkret anschaulich und im Wortsinn „begreifbar“ gemacht werden, soll sie nicht Mythenbildungen oder gar einem allgemeinen Vergessen Vorschub leisten.

Auf diesem wichtigen Feld sollten – gerade vor dem Hintergrund zunehmender extremistischer Bedrohungen und eines immer aggressiver auftretenden Rechtsradikalismus – politische Bildner und die weiterführenden Schulen künftig noch intensiver und kreativer kooperieren, als dies bisher schon der Fall ist.

 

Das Projekt „Das andere Leben – Kindheit im Holocaust“ bietet in Gestalt von interaktiven Vortrags- und Leseveranstaltungen („Ein Ereignis – zwei Zeugen“) an Schulen in insgesamt 19 nordrhein-westfälischen Städten eine Präsentationsform, die durch ihren unmittelbar biographischen Zugang insbesondere das Interesse Jugendlicher an der Beschäftigung mit Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg fördert und darüber hinaus in der Lage ist, das allgemeine wie auch das individuelle Bewusstsein eines jeden Einzelnen für den Wert von Freiheit, Grund- und Menschenrechten und von Zivilcourage zu schärfen.

 

Hierdurch wird die Demokratiekompetenz der Schülerinnen und Schüler gestärkt, aber auch der Versuch unternommen, Erinnerungsarbeit innovativ weiterzuentwickeln. Dank der Memoiren des litauischen Juden und heutigen israelischen Staatsbürgers Solly Ganor und ihrer Präsentation durch den deutschen Offizier Jakob Odinius kommt es zu einer eindrucksvollen Verknüpfung jüdischer, deutscher und europäischer Perspektiven, wie sie beispielhafter nicht sein könnte für die Notwendigkeit, Erinnerungskultur aus ihrer nationalen Fixierung zu lösen und über die Grenzen hinweg in ihren gemeinsamen Bezügen neu zu denken.

 

Nachdem es mit großem Erfolg bereits in zahlreichen Städten Niedersachsens und Bayerns präsentiert worden ist, kommt das Projekt nun auch nach Nordrhein-Westfalen.

 

Die Landeszentrale für politische Bildung ist ebenso dankbar wie erfreut, mit der Bildungsinitiative „Das andere Leben“ einen kompetenten und engagierten Kooperationspartner auf dem Feld der historisch-politischen Bildung gefunden zu haben.

 

Die landesweit angebotene Veranstaltungsreihe besitzt einen hohen dokumentarischen wie auch pädagogisch-didaktischen Wert. In und mit ihr wird sowohl den Erfordernissen neuer didaktischer, schulbegleitender und schulergänzender zeitgeschichtlicher Formate Rechnung getragen als auch das Ziel moderner erinnerungskultureller Bildungsarbeit umgesetzt, neben der Vermittlung von Fakten und Zusammenhängen aktive Menschenrechtserziehung in einer kulturell, sozial und weltanschaulich immer pluraler werdenden Gesellschaft zu ermöglichen.