Zwi Katz

Zwi Katz wurde 1927 geboren und wuchs in einer assimilierten jüdischen im litauischen Kaunas auf. Die deutsche Kultur war in seiner Familie fest verankert, das Erlernen der deutschen Sprache galt als wichtig, eine humanistische Bildung wie auf deutschen Gymnasien und ein Studium auf einer deutschsprachigen Universität als erstrebenswert. Auch Zwi Katz wurde in diesem Sinne von einem deutschen Kindermädchen erzogen.

 

Bis zum Einmarsch der sowjetischen Truppen im Herbst 1939 verlebte er eine glückliche Kindheit. Hitler und Stalin hatten 1939 weite Teile Osteuropas untereinander aufgeteilt. Das Baltikum mit den drei bislang unabhängigen Staaten Litauen, Lettland sowie Estland geriet in die Einflusssphäre der Sowjetunion. Für die Juden Litauens begann eine schwere Zeit, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht. Betriebe und Fabriken wurden verstaatlicht, hebräische Schulen geschlossen, der Sabbat missachtet. Im Juni 1941 wurde der so genannte Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion durch das "Unternehmen Barbarossa" von deutscher Seite gebrochen. Hitler ließ die Wehrmacht zum Eroberungsfeldzug in den Osten marschieren und Stalins Reich besetzen. Im Baltikum wuchs die Hoffnung auf eine Befreiung vom Joch der Kommunisten. Mit der Besatzung durch die Deutschen setzten sich aber die Zahnräder der Vernichtungsmaschinerie gegen die Juden in Bewegung. Nur wenige ahnten, was auf sie zukommen würde. Auch die Familie von Zwi Katz war hin- und hergerissen. Manche Familienmitglieder konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, doch der dreizehnjährige Zwi blieb mit seinen Eltern und der Schwester im Land.

 

Im Sommer 1941 wurden Juden aus ihren Häusern vertrieben, ermordet oder in Ghettos gebracht. Viele Litauer waren dabei den Nationalsozialisten willige Helfer. Aber auf der anderen Seite gab es auch Menschen, die Juden - wie der Familie Katz - halfen, sie vor gefährlichen Situationen warnten. In seinem Buch "Von den Ufern der Memel...." schildert Zwi Katz nicht nur diese unverhofften Hilfeleistungen, sondern auch die Zeit im Ghetto in Kaunas: Die ständige Angst vor Razzien, die Grausamkeiten der Wachmannschaften, die Ermordung von Ghettoeinwohnern. Als das Ghetto geräumt wird, kommt Katz in ein "Arbeitslager", dass er später als Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau identifiziert. Hier waren die jüdischen Häftlinge in die Produktion von Rüstungsgütern eingesetzt. Als die Nazis das Lager im Frühjahr 1945 evakuieren, wird auch Zwi Katz auf einen der Todesmärsche geschickt: "Vor vier Tagen haben wir das KZ Kaufering verlassen und seitdem marschieren wir mit unseren letzten nachlassenden Kräften irgendwohin. Es sind die letzten Tage des Krieges. ... In unseren schäbigen Häftlingskleidern, vor Kälte zitternd, werden wir weiter geschleppt - Haufen des Elends, der immer kleiner wird."

Tausende Juden werden in den letzten Kriegstagen quer durch die noch nicht befreiten Gebiete Deutschlands getrieben - bei Minustemperaturen durch tiefen Schnee. Viele überleben die Torturen nicht. Zwi Katz führt der Todesmarsch durch Oberbayern, zweimal gelingt ihm die Flucht, er wird aber immer wieder gefasst. Erst als eines Morgens die SS-Wachleute verschwinden, wächst bei den wenigen überlebenden Häftlingen die Hoffnung auf Rettung. Als Zwi Katz schließlich einen US-amerikanischen Panzer sieht, ist auch für ihn die Zeit des Leidens vorbei.

 

Jahrzehntelang schwieg Zwi Katz über sein Schicksal im Dritten Reich. Als "Displaced Person" in der Nachkriegszeit führte ihn eine monatelange Odyssee nach Israel, wo er im neu gegründeten Staat eine neue Heimat fand. Er traf die Überlebenden seiner Familie wieder, gründete zudem mit Ester eine eigene Familie und arbeitete als Agronom. Erst in den neunziger Jahren begann er sich an die Tragödie seines Lebens zu erinnern, so dass er die Überlebensgeschichte eines litauischen Juden der Nachwelt niederschrieb. 2002 erschien das Buch. Seit vielen Jahren engagiert sich Zwi Katz aktiv in der Vereinigung der ehemaligen Dachau-Häftlinge, spricht in Schulen und nimmt regelmäßig an den Gedenkveranstaltungen zum sog. "Todesmarsch" in den Würmtal-Gemeinden teil. Auch zum 60. Jahrestag der Befreiung reiste er mit seiner Familie aus Israel an.