Solly Ganor

Der Todesmarsch der Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau und seiner Außenlager endete im bayerischen Voralpenland.In der Nähe des Dorfes Waakirchen stießen amerikanische Soldaten am 2.Mai 1945 im verschneiten Wald auf den siebzehnjährigen, zu Tode erschöpften Zally Genkind und brachten ihn in Sicherheit.



Solly Ganor



Begonnen hatte die Geschichte vier Jahre zuvor im baltischen Litauen, wo mit dem Einmarsch der deutschen Truppen am 22.Juni 1941 die Katastrophe über die Judenheit Litauens hereinbrach.Deutsche Effizienz in der Organisation des Tötens verband sich mit hemmungsloser Mordlust der Litauer und vier Jahre später war nur noch ein Bruchteil der schätzungsweise 250 000 Juden, die sich im Sommer 1941 in Litauen befanden, am Leben.

 

Auf rund zweihundert Seiten schildert der Autor in eindringlichen Bildern diese vier schrecklichen Jahre, in denen die meisten seiner Familienangehörigen, seiner Freunde, seiner Lehrer und Bekannten ermordet wurden und er selbst oftmals nur um Haaresbreite dem Tod entging.Täglich, ja stündlich war er Zeuge von Mord und Gewalt und von Demütigung und Verzweiflung seiner Angehörigen.

 

Und doch gibt es in diesem Bericht weder Larmoyanz noch Verbitterung.Neben der Trauer um die unwiederbringlichen Verluste, über die erlittenen Qualen, die geschundenen Opfer bewahrt er auch die Erinnerung an Beispiele gegenseitiger Hilfe in höchster Not, an Augenblicke der Würde im Angesicht des Todes, an Begegnungen mit einzelnen Menschen, die durch Hilfe für die Verfolgten ihr eigenes Leben riskierten.

 

Nach dem Überleben hat Zally Genkind wie viele seiner Freunde versucht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.Er ging nach Israel, wo er sich als Solly Ganor eine neue Existenz schuf und eine Familie gründete.Über vier Jahrzehnte lang hat er geschwiegen, bis er erkannte, daß er seiner Vergangenheit nicht länger entfliehen konnte.

 

Seine zuerst in den USA erschienenen Erinnerungen sind ein bewegendes Zeugnis von ungewöhnlicher sprachlicher Kraft.Die deutsche Ausgabe ist für Solly Ganor von besonderer Bedeutung.Deutsch war die erste Sprache, die er in Litauen gelernt hatte, und im Ghetto hatten ihm Bücher auch von deutschen Schriftstellern geholfen, für kurze Zeit aus der bedrohlichen Wirklichkeit zu entfliehen.

Die Zeit